Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung

Das Projekt

Der Mensch sorgt für Sicherheit. Der Fluss für Renaturierung.

Die Thurauen sind das grösste Auengebiet des Schweizer Mittellandes – ein Biotop von nationaler Bedeutung. Für die Hochwassersicherheit in und um Ellikon am Rhein und Flaach ist die Baudirektion Kanton Zürich zuständig. Für die Renaturierung sorgt die Thur selbst.

Der fünf Kilometer lange Kanal, der die Thur ab Kleinandelfingen zum Rhein führte, entstand um 1860. Damals war es richtig, den Fluss so zu sichern. Heute nicht mehr: Die Sicherung des oberen Thurlaufs gegen Überschwemmungen bringt zusätzliches Wasser. Innovative Lösungen mussten gefunden werden, im Einklang mit dem Gesetz über Wasserbau und dem Gewässerschutzgesetz sowie den Verordnungen über Auenschutz und Belastungen des Bodens. Das Projekt «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung» verfolgt drei Hauptziele: Die Gegend gegen Hochwasser aus Thur und Rhein schützen, die Thurauen im Sinne der Auenschutzverordnung revitalisieren und die landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen verbessern. Die Nutzung der Auen als Erholungsgebiet ist weiterhin möglich – allerdings unter Entflechtung der Interessen von Mensch und Natur.

Hochwassersicherheit

Solche mobilen Dämme kommen in Ellikon zum Einsatz.

In Ellikon am Rhein schützen feste und mobile Dämme (1) Hab und Gut vor Hochwasser. Zu einem späteren Zeitpunkt soll allenfalls auch das Ellikerfeld (2) durch einen rückversetzten Damm gesichert werden.

Das Flaacherfeld ist zwischen Thurhof und Steubisallmend durch Verstärkung, Erhöhung und Neubau von Dämmen gegen Überflutungen geschützt (3).

Die Gebiete Neugrüt (4) und Engihäuli (5) sind durch Erhöhung der Wege und Geländeanpassungengegen gegen Überflutungen durch die Thur abgesichert.

Abgetragenes Material aus flussbaulichen Massnahmen an der Thur wurde auf Landwirtschaftsflächen des Flaacherfelds (6) aufgeschüttet – ähnlich wie der Fluss dies einst auf natürliche Weise tat. Diese Massnahme verhindert ein Durchnässen der Böden durch Anstieg des Grundwassers bei Hochwasser. Zudem befördert ein neues Pumpwerk im Forspitz (7) einsickerndes Wasser in den Rhein zurück.

Renaturierung

Der Auenwald erwacht zu neuem Leben.

Das Projekt gibt dem Fluss seine ursprüngliche Dynamik zurück, ohne Gefährdung von Siedlungen, Kulturland und Infrastruktur: Drei Aufweitungen (8) wurden ausgebaggert. Dadurch wird die Thur nach und nach wieder einen geschwungenen Lauf bilden (sogenannte Mäander) – mit einer naturnahen Flusssohle und Kiesbänken am Ufer. An den Ufern der Mäander entstehen Weichholzauen.

Der Wald von rund 300 Hektaren Fläche macht den Hauptteil des Projekts aus. Er wurde durch Auflichtung in den höheren, nie überfluteten Teilen ökologisch aufgewertet. Pflanzen und Tiere, die Trockenheit und Magerböden mögen, finden dort optimale Lebensräume. Der Wald wird durch den Wegfall der Uferdämme häufiger und auf grösseren Flächen überflutet: Feuchtbiotope bilden sich wieder. Zudem wurden zusätzliche Auengewässer, Riedwiesen und Trockenstandorte angelegt (9).

 

Erholung

Beobachtungsplattform unterhalb der Ellikerbrücke.

Der Mensch braucht Erholung. Darum hat die Zürcher Regierung beschlossen, die renaturierten Thurauen der Bevölkerung als Erholungsraum offen zu halten. Aber auch die Natur braucht Erholung! Das führt zu Zielkonflikten. Damit das Gebiet den Erholungssuchenden zugänglich bleibt, ohne dass die Natur darunter leidet, wurden Zonen für die Freizeitnutzung und Zonen, die der Natur vorbehalten bleiben definiert, entsprechende Einrichtungen erstellt und eine Schutzverordnung erlassen.

Das Erholungskonzept minimiert die Konflikte. Die bestehenden Parkplätze blieben erhalten, neue Freizeiteinrichtungen entstanden: Ein- und Auswasserungsmöglichkeiten für Boote (10), Rastplätze (11), Beobachtungsplattform (12), Naturbeobachtungsplätze (13), Naturzentrum (14), Erlebnisweg (15).   

Breit abgestützte Finanzierung

Kostenverteilung

Die Gesamtkosten des Projekts «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung» – das 2006 ohne Gegenstimme durch den Zürcher Kantonsrat bewilligt wurde – sind auf 53,6 Mio. Franken budgetiert. Von diesem Betrag gehen knapp 26 Mio. Franken zu Lasten des Kantons Zürich. Fast 9 Mio. Franken übernimmt die Kraftwerk Eglisau-Glattfelden AG (KWE) im Rahmen der neuen Konzession für das Kraftwerk. Die restlichen gut 18 Mio. Franken finanziert der Bund.