Hochwasserrückhalteraum Hegmatten

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Etwa so wird das Gebiet Hegmatten aussehen, wenn der Hochwasserrückhalteraum gebaut ist. (Visualisierung: Nightnurse)

Winterthur vor Überschwemmungen schützen

In der Winterthurer Innenstadt verläuft die Eulach grösstenteils kanalisiert und unterirdisch. Führt sie ein extremes Hochwasser, bilden Brücken und Bachdurchlässe unter dem Areal Schleife, dem Zentrumsbereich und dem Hauptbahnhof ein Nadelöhr für die Wassermassen. Dann drohen Überschwemmungen im Stadtzentrum, die im Extremfall Schäden von bis zu 400 Millionen Franken verursachen können.

Seit Frühling 2017 hält der Rückhalteraum Hegmatten mögliche Hochwasser zurück – und reduziert so das Schadenpotenzial in der Innenstadt um bis zu 300 Millionen Franken. Die Kosten des Bauwerks betrugen rund 33 Millionen Franken, wobei knapp 40 Prozent vom
Bund übernommen werden.

Das Projekt

Bewährtes Konzept am optimalen Ort

Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) hat 2015 bis 2017 einen Hochwasserrückhalt im Raum Hegmatten (Oberwinterthur) realisiert. Über einen Zuflusskanal wird bei starkem Regen ein Teil des Hochwassers aus der Eulach in den Rückhalteraum geleitet. Nach Abklingen der Hochwasserspitze wird das Wasser verzögert über den Riedbach in die Eulach zurückgeleitet.

Zu liegen kommt der Rückhalteraum auf dem Gebiet des Segelflugfeldes und der Fussballplätze Hegmatten sowie auf angrenzendem Kulturland. Das Areal ist wie geschaffen für einen Rückhalteraum. Von den umfangreichen Bauarbeiten wird daher letztlich nur wenig sichtbar sein, da sich die Bauten gut in die Landschaft einfügen.

Im Fall von Hegmatten basiert der Hochwasserrückhalt  auf dem Zusammenspiel von drei Elementen:

  • dem eigentlichen Rückhalteraum, in dem sich etwa alle 30 Jahre Wasser aufstaut
  • dem neuen, unterirdischen Zuflusskanal, über den das Wasser in den Rückhalteraum gelangt
  • dem Schwemmholzrückhalt in Elsau-Räterschen, der Treibgut zurückhalten soll

So funktioniert der Hochwasserrückhalt

Bereits heute besteht ein unterirdischer Hochwasserentlastungskanal unter der Rümikerstrasse in Oberwinterthur. Bei Extremereignissen gelangt künftig rund die Hälfte des Hochwassers in diesem Kanal über ein Trennbauwerk und einen Zuflusskanal in den Rückhalteraum Hegmatten. Das im Rückhalteraum aufgestaute Wasser wird danach gedrosselt über den Riedbach wieder abgeleitet. Dies führt zu einer Dämpfung der Abflussspitze in der Eulach. Ein Schwemmholzrückhalt in Elsau-Räterschen hält Treibgut zurück, das an engen Stellen zu Verstopfungen führen könnte.

Die im Schema angegebenen Abflussmengen entsprechen einem Hochwasser, wie es alle hundert Jahre einmal zu erwarten ist. Die Wassermenge in der Eulach wird in diesem Fall um 19 Kubikmeter pro Sekunde oder rund 30% reduziert.

Hochwasserrückhaltebecken - ein bewährtes System

Bis heute wurden im Kanton Zürich bereits 20 Hochwasserrückhalteräume gebaut. Das Konzept ist erprobt und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt bewährt. Im Film erfahren Sie anhand der Beispiele am Wildbach in Wetzikon und am Jonenbach in Affoltern am Albis, wie ein Hochwasserrückhalteraum funktioniert.

Der Rückhalteraum

1 Begrünter Damm mit Tribüne
Beim Fussballplatz entsteht ein maximal 2,5 Meter hoher Damm mit Sitzgelegenheiten.

2 Aufschüttung des Terrains
Der neue Hangar für Segelflugzeuge kommt rund 2 Meter höher zu liegen, um eine Überflutung zu verhindern.

3 Renaturierung des Riedbachs
Der heute kanalisierte Bach wird auf die andere Seite des Flugfeldes und in ein neues, naturnah gestaltetes Bett verlegt.

4 Schutz für Landwirtschaftsgebäude
Der Schweinezuchtbetrieb wird mit einem Erdwall geschützt.

5 Zusätzliche Gewässer
Neu angelegte Weiher schaffen natürlichen Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

6 Bestehender Entlastungskanal
Führt die Eulach Hochwasser, gelangt es in den heute schon bestehenden, unterirdischen Hochwasserentlastungskanal unter der Rümikerstrasse.

7 Aufteilen der Wassermassen
Im neuen Trennbauwerk im Entlastungskanal wird bei Extremereignissen ein Teil des Hochwassers abgezweigt.

8 Zuflusskanal unter Wohnquartier
Über einen neuen, 390 Meter langen unterirdischen Zuflusskanal fliesst dieses Wasser dann in den Rückhalteraum.

9 Bis zu dieser Linie würde ein Hochwasser zu stehen kommen, wie es statistisch etwa alle hundert Jahre auftritt - und innerhalb von 20 Stunden wieder abfliessen.

Ideal in die Landschaft eingefügt

Der Hochwasserrückhalteraum Hegmatten kommt auf dem Gebiet des Segelflugfeldes Hegmatten und der Fussballplätze sowie auf angrenzendem Kulturland zu liegen. Begrenzt wird er auf der einen Seite durch einen neuen, begrünten Damm im Bereich des heutigen Riedbachs (Norddamm) und der Toggenburger Weiher (Süddamm). Der Norddamm hat beim Fussballplatz eine Höhe von maximal 2.5 Metern und wird Zuschauern von Fussballspielen Sitzgelegenheiten bieten. Auf der gegenüberliegenden Seite wird der Rückhalteraum durch das bestehende, ansteigende Gelände begrenzt, wodurch er sich ideal in die Landschaft einfügt.Der heute kanalisierte Riedbach wird auf die andere Seite des Flugfeldes verlegt. Er erhält ein neues, naturnah gestaltetes Bett. In der Nähe des Schlosses Hegi werden zudem Weiher angelegt. Diese bieten natürlichen Lebensraum für Tiere und Pflanzen und werten das Naherholungsgebiet Hegmatten zusätzlich auf.

Entschädigung für Eigentümer

Es ist damit zu rechnen, dass sich nur alle rund 30 Jahre überhaupt Wasser im Rückhalteraum aufstauen wird. Dieser kann aber auch extremere Hochwasserspitzen auffangen, wie sie statistisch gesehen seltener als alle hundert Jahre auftreten.

Wird der Rückhaltraum überschwemmt, dürften die Schäden gering ausfallen. Der Schweinemastbetrieb wird mit einem Erdwall geschützt und der Segelflugzeug-Hangar wird an einen sicheren Ort verlegt. Kommt es dennoch zu Schäden oder Ernte- und Ertragsausfällen, werden die Betroffenen entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen entschädigt.

Der Zuflusskanal

Unterirdisch zum Rückhalteraum

Die Visualisierung zeigt den Bereich beim Schloss Hegi, wo der Zuflusskanal in den Rückhalteraum mündet. Hier werden neue Weiher angelegt. (Visualisierung: Nightnurse)

Bereits heute besteht ein unterirdischer Hochwasserentlastungskanal unter der Rümikerstrasse. Bei Extremereignissen wird künftig ein Teil des Hochwassers über ein neues Trennbauwerk aus diesem Kanal abgeleitet. Die Wassermassen gelangen von dort in einen neuen unterirdischen Zuflusskanal. Dieser ist 390 Meter lang und 5 Meter breit und mündet in der Nähe des Schlosses Hegi in den Rückhalteraum Hegmatten.

So funktioniert das Trennbauwerk

Führt die Eulach Hochwasser, gelangt es in den heute schon bestehenden, unterirdischen Hochwasserentlastungskanal unter der Rümikerstrasse. Einmal fertiggestellt, verbindet das Trennbauwerk diesen Kanal mit dem neuen, ebenfalls unterirdischen Zuflusskanal zum Rückhalteraum. Das neue Trennbauwerk unter der Rümikerstrasse funktioniert dabei so einfach wie der Überlauf im Waschbecken zuhause. Steigt das Wasser im Entlastungskanal auf eine kritische Höhe an, schwappt es über die Trennwand in den Zuflusskanal. Damit reduziert sich bei extremen Hochwasserereignissen die Wassermenge, die Richtung Stadt fliesst.

Der Schwemmholzrückhalt

Treibgut zurückhalten

Bei Hochwasser führen Flüsse und Bäche immer auch grosse Mengen an Treibgut, vor allem Schwemmholz, mit sich. An engen Stellen des Flussverlaufes kann dies zu Verstopfungen führen. Darum wurde in der Eulach in Elsau-Räterschen ein Schwemmholzrückhalt angelegt. Das Bauwerk ist seit August 2015 fertiggestellt. Es verhindert, dass der unterirdische Einlass in den Rückhalteraum verstopft und der Rückhalteraum dadurch wirkungslos wird. Der Rückhalt besteht aus Pfählen, die senkrecht aus dem Fluss ragen, sowie aus Querverbindungen zwischen diesen Pfählen.

Die Bilder unten zeigen den fertigen Schwemmholzrückhalt im Sommer 2015. Auf den freien Flächen spriesst schon bald das neu angesähte Gras.

Oberer Schwemmholzrückhalt in der Rechtskurve der Eulach oberhalb der Eisenbahnbrücke.

Unterer Schwemmholzrückhalt in der Linkskurve der Eulach unterhalb der Eisenbahnbrücke.

Hochwasserschutz

Schadenpotenzial um 300 Millionen reduzieren

Winterthur hat letztmals 1876 ein extremes Hochwasser
erlebt. Bei einem solchen Ereignis, wie es statistisch gesehen alle 100 Jahre eintritt, müsste Winterthur heute mit Schäden von über 400 Millionen Franken rechnen. Vor allem Bewohner, Gewerbe und Infrastruktur in der Innenstadt wären davon
stark betroffen.

Dank dem Hochwasserrückhalteraum Hegmatten wird dieses Schadenpotenzial im Stadtzentrum um rund 300 Millionen Franken verringert. Dieser massiven Reduktion stehen Projektkosten von rund 33 Millionen Franken gegenüber, von
denen der Bund 35 Prozent übernehmen dürfte. Den Rest trägt der Kanton Zürich.

Das gefährdete Gebiet

Gelb: Es drohen mittelhäufig Ereignisse von geringer Stärke. Selten treten starke Ereignisse auf. In Untergeschossen können Personen gefährdet sein.

Blau: Häufig ist mit Ereignissen von geringer bis mittlerer Stärke bzw. selten mit starken Ereignis-sen zu rechnen. In Unter- oder Erdgeschossen können Personen gefährdet sein.

Rot: Es ist mit grossen Fliesstiefen bzw. Fliessgeschwindigkeiten und in der Folge auch mit der Zerstörung von Gebäuden zu rechnen. Personen sind gefährdet.

Natur und Erholung

Aufwertung für Mensch und Natur

So etwa dürfte der Riedbach in seinem neuen, naturnahen Bachbett aussehen. (Visualisierung: Nightnurse)

Der Raum Hegmatten ist ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Bevölkerung von Winterthur. Das bleibt auch nach dem Bau des Hochwasserrückhalteraums so. Mehr noch: Das Gebiet erfährt eine Aufwertung für Mensch und Natur.

Renaturierung Riedbach und zusätzliche Weiher

Der heute kanalisierte Riedbach wird auf die andere Seite des Flugfeldes verlegt. Er erhält ein neues, naturnah gestaltetes Bett. In der Nähe des Schlosses Hegi werden zudem neue
Weiher angelegt. Diese bieten natürlichen Lebensraum für Tiere und Pflanzen und werten das Naherholungsgebiet Hegmatten auf. Auf dem begrünten Nord- und Süddamm wird ein Spazierweg verlaufen. Im Bereich des Fussballplatzes werden zudem Tribünenelemente in den Norddamm eingebaut, die von Zuschauern genutzt werden können.

Zahlen und Fakten

Wichtige Zahlen und Fakten

  • Der begrünte Damm ist rund 1.4 Kilometer lang und überragt das Terrain beim Fussballplatz um etwa 2.5 Meter.
  • Der Querschnitt des 390 Meter langen Zuflusskanals zum Rückhaltebecken beträgt 5 mal 2.35 Meter.
  • Im Mittel nur alle 30 Jahre wird das Gebiet teilweise überschwemmt werden; voraussichtlich nur alle 100 Jahre dürfte sich der Rückhalteraum ganz füllen.
  • Das Wasser bleibt dann rund 20 Stunden lang
    liegen.
  • Rund 33 Millionen Franken kostet der Bau des
    Rückhalteraums Hegmatten.
  • 65 Prozent davon übernimmt der Kanton Zürich,
    die restlichen 35 Prozent der Bund.
  • Um 300 Millionen Franken oder 75 Prozent reduziert diese Investition das Schadenpotenzial für die Winterthurer Innenstadt bei einem Hochwasser, wie es etwa alle hundert Jahre zu befürchten ist.

Entschädigung für Eigentümer

Wird der Rückhaltraum überschwemmt, dürften die Schäden gering ausfallen. Es werden Schutzmassnahmen für die bestehende Infrastruktur getroffen und der Segelflugzeug-Hangar wird an einen sicheren Ort verlegt. Kommt es dennoch zu Schäden oder Ernte- und Ertragsausfällen, werden die Betroffenen entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen entschädigt.

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