Abgasmessungen RSD

Der Remote Sensing Detector (RSD) ist ein System zur berührungsfreien Messung von Schadstoffen im Abgas vorbeifahrender Fahrzeuge. Indem die Abschwächung eines durch die Abgaswolke geleiteten Lichtstrahls gemessen wird, lassen sich Aussagen zur Konzentration verschiedener Schadstoffe im Abgas machen. Das System eignet sich zur Ermittlung des realen Emissionsverhaltens von Fahrzeugen. Da eine grosse Anzahl Fahrzeuge gemessen wird, lassen sich Aussagen über die Abhängigkeit der Schadstoffemissionen von der Fahrdynamik (Geschwindigkeit, Beschleunigung) oder bestimmter Kategorien des Fahrzeugparks (Abgasnorm, Alter, Motorenart etc.) machen. Lastwagen können wegen der unterschiedlichen Anordnung des Auspuffs nur teilweise gemessen werden.

Ziele der RSD-Messungen

Das primäre Ziel der RSD-Messungen ist, Erkenntnisse über die Emissionen der Fahrzeuge in realen Verkehrssituationen zu erhalten - beispielsweise über den Anteil hochemittierender Fahrzeuge am gesamten Fahrzeugbestand, dem Alterungsverhalten von Abgasreinigungssystemen sowie der Abhängigkeiten der Schadstoffwerte von einzelnen Abgasstufen (EURO-Normen).

Ein weiteres Ziel der RSD-Messungen ist es, den Einfluss von verkehrsbedingten Faktoren wie beispielsweise der Fahrdynamik (Beschleunigung, Geschwindigkeit) auf den Abgasausstoss zu analysieren.

Messungen an Einzelfahrzeugen haben nur indikativen Charakter und sind rechtlich nicht verbindlich. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen primär als Grundlage für die Planung und den Vollzug von Luftreinhalte-Massnahmen.

Messresultate und -verfahren

Seit Messbeginn im April 1997 wurden mit dem RSD-Messverfahren rund eine Million Fahrzeuge gemessen. Die wichtigsten bisherigen Erkenntnisse aus den RSD-Messungen sind die folgenden Punkte.

Der Verlauf der gemessenen realen NOx-Emissionen war bis etwa 2015 gegenläufig zum Verlauf der Abgasnorm-Verschärfungen. Die Emissionen haben seit Anfang der 90er Jahre (Abgasnorm Euro 1) bis 2000 (Abgasnorm Euro 3) stark zugenommen. Danach stagnierten sie auf hohem Niveau bis 2015 (Abgasnorm Euro 5). Dies bedeutet, dass neuere Fahrzeuge mit Abgasnorm Euro 4 und 5 (das heisst rund 60% der aktuellen Diesel-PW Fahrzeugflotte) mehr NOx ausstossen als alte Fahrzeuge mit Abgasnorm Euro 1.

Diesel-Personenwagen der Abgasnorm Euro 6b (Inbetriebnahme 1. September 2015) sind im Durchschnitt sauberer als Euro 5 Fahrzeuge. Sie stossen zwar halb so viel NOx aus wie Euro 5 Fahrzeuge, aber weiterhin fünfmal so viel, wie aufgrund der Abgasnorm zu erwarten wäre und weisen somit im Mittel nur leicht niedrigere NOx-Emissionen auf als die Diesel-Personenwagen zu Beginn der 90er-Jahre.

Bei den PW-Fahrzeugen der Abgasnorm-Kategorie Euro 6b vergrössert sich die Spannbreite zwischen den realen NOx-Emissionen einzelner Diesel-Fahrzeuggruppen. Rund die Hälfte der gemessenen Fahrzeuge stösst auch unter realen Fahrbedingungen ähnlich viel NOx aus, wie bei der Typenzulassung vorgegeben. Allerdings prägen ”High-Emitters” verstärkt die durchschnittliche Emission aller Euro 6b Dieselfahrzeuge, die im Mittel somit um Faktoren höher ist als angestrebt.

Die Messungen der neuesten Diesel-Personenwagen der Abgasnormen Euro 6c zeigen erstmals eine substantielle Verminderung der realen NOx-Emissionen auf. Die NOx-Emissionen bewegen sich im realen Fahrbetrieb für diese Abgasnormen im Bereich des vorgegebenen Grenzwertes der Typenprüfung. Die Stichprobe ist allerdings noch klein und die Resultate sollten durch weitere Messungen validiert werden.

Bei den dieselbetriebenen Lieferwagen nehmen die gemessenen NOx-Emissionen seit 25 Jahren stetig zu und sind somit gegenläufig zum Verlauf der Abgasnorm-Verschärfungen. Erst mit der neusten Abgasnorm kommt es auch bei den Diesel-Lieferwagen zu einer deutlichen Verbesserung.

Dieselfahrzeuge emittieren je nach Abgaskategorie zwischen Euro 2 und Euro 6b rund 5- bis 20-mal mehr NOx als Benzinfahrzeuge; für Euro 6c sind die Unterschiede zwischen Benzin- und Dieselfahrzeugen viel weniger stark ausgeprägt.

Erkenntnisse für die Luftqualität: Der Anteil der dieselbetriebenen Fahrzeuge am Gesamtbestand nimmt deutlich zu. Bei Personenwagen von 3% (2000) auf 30% (2018), bei Lieferwagen von 35% auf 83%. Damit steigt auch der Anteil Fahrzeuge mit hohen spezifischen NOx-Emissionen. Weil zusätzlich der Fahrzeugbestand und die gefahrenen Kilometer laufend zunehmen, bleibt die Schadstoffbelastung weiterhin hoch, trotz immer strengeren Abgasnormen.

Motorfahrzeuge verursachen rund die Hälfte der NOx-Emissionen im Kanton Zürich und tragen somit hauptsächlich zu den Überschreitungen der zulässigen NO2-Immissionsgrenzwerte bei. Insbesondere in städtischen Gebieten und entlang von Hauptverkehrstrassen nehmen die NO2-Belastungen in der Aussenluft nicht so stark ab, wie es eigentlich aufgrund der laufend verschärften Abgasnormen erwartet werden sollte.