Bauabfälle

Bauabfälle in Baugesuchen

Mit Inkrafttreten der Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (Abfallverordnung, VVEA) müssen Baubewilligungsgesuche Auskunft geben über die anfallenden Bauabfälle, deren Schadstoffbelastung sowie deren Entsorgung. Damit sollen Mensch und Umwelt, aber auch die Verwertung von Rückbaustoffen vor schädlichen Einwirkungen geschützt werden.

Ein Fakten- bzw. Infoblatt vom Mai 2016 vermittelt erste Informationen zum Vollzug der neuen Vorschriften im Kanton Zürich durch die kommunalen Baubehörden:

Angaben zur Entsorgung von Bauabfällen in Baugesuchen - Infoblatt Nr. 1 für kommunale Bauverwaltungen (AWEL, 2016)

Angaben zur Entsorgung von Bauabfällen in Baugesuchen

Neue Regelung für Bauabfälle bei Um- und Rückbauten

Mit der neuen, seit Anfang 2016 in Kraft getretenen Abfallverordnung (Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen, VVEA) muss in Baubewilligungsgesuchen beschrieben sein, ob bei Um- und Rückbauten schadstoffbelastete Bauabfälle anfallen und wie sie entsorgt werden. Das Ziel dieser Vorschrift ist zum einen, Mensch und Umwelt vor schädlichen Einwirkungen zu schützen. Zum anderen soll damit auch die Verwertung der Rückbaustoffe von Schadstoffen frei gehalten werden.

Die Pflicht zum fachgerechten Umgang mit Schadstoffen ist in der Bauarbeitenverordnung BauAV geregelt (Art. 3 Abs. 1bis, Art. 60 ff. BauAV). Dies ist besonders bei Bauten wichtig, die vor 1990 erstellt oder umgebaut wurden. Bei ihnen muss erfahrungsgemäss damit gerechnet werden, dass gefährlichen Schadstoffen wie Asbest, polychlorierten Biphenylen (PCB), polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) oder Blei vorhanden sind.

Für Aushub aus belasteten Standorten (gemäss Kataster der belasteten Standorte) gelten im Kanton Zürich die Bestimmungen von Ziffer 3.10 BBV I. Dieser Bereich wurde bereits vor Jahren der «Privaten Kontrolle» unterstellt, das heisst: Befugte Altlastenberater gewährleisten die umweltgerechte Entsorgung von belastetem Aushub. Dieses Instrument bleibt unverändert.

Wie sind die Angaben zur Entsorgung von Bauabfällen zu erbringen?

Die Baugesuchsformulare im Kanton Zürich wurden unter „4. Konstruktion etc., Parkplätze und Kosten“ um zwei Punkte zu den Bauabfällen ergänzt. Der Eine fragt ab, ob beim Bauvorhaben mehr als 200 m3 Bauabfälle entstehen, der Andere, ob der Bau vor 1990 erstellt wurde und gegebenenfalls Schadstoffe zu erwarten sind.

Können beide Punkte mit «nein» beantwortet werden, sind keine Abklärungen oder Dokumente zum Umgang mit Bauabfällen erforderlich. Wird einer oder beide Punkte mit «ja» beantwortet, prüft die Baubehörde, ob die erforderlichen Abklärungen getroffen und das daraus resultierende Entsorgungskonzept eingereicht wurde.

Das Entsorgungskonzept muss dokumentieren, welche Arten, Qualitäten und Mengen von Bauabfällen zu erwarten sind. Hierfür sind unter Umständen Schadstoffuntersuchungen erforderlich.

Fehlen diese Angaben oder sind sie unvollständig, dann wird das Baugesuch in der Regel sistiert und die Baubehörde fordert Aktenergänzung. Das heisst: Die Bauherrschaft muss die fehlenden Unterlagen nachliefern, bevor das Baugesuch behandelt wird.

Ist die Baubewilligung erteilt, müssen die Schadstoffe im Zuge der Bauarbeiten gemäss Entsorgungskonzept entfernt und entsorgt werden. Nach Ende der Bauarbeiten hat die Bauherrschaft nachzuweisen, dass die belasteten Bauabfälle fachgerecht ausgebaut und umweltgerecht entsorgt wurden.

Wer kann die Untersuchungen durchführen und Entsorgungskonzepte verfassen?

Schadstoffe verstecken sich in alter Bausubstanz an den verschiedensten Stellen. Nur Fachleute wissen, wo sie zu finden sind.
Schadstoffe verstecken sich in alter Bausubstanz an den verschiedensten Stellen. Nur Fachleute wissen, wo sie zu finden sind. (Quelle Bild: Energie- und Ressourcen-Management GmbH, Stefan Rubli)

Sowohl die Durchführung von Schadstoffuntersuchungen als auch das Verfassen von Entsorgungskonzepten erfordern fundiertes Fachwissen. Die notwendigen Arbeiten sind von ausgewiesenen Fachleuten durchzuführen. Sie benötigen eine entsprechende Ausbildung, das notwendige Wissen und ausreichende Erfahrung. Fachleute, die diese Anforderungen erfüllen, sind in den Mitgliederlisten des Forums Asbest Schweiz (FACH), des Schweizerischen Fachverbands für Gebäudeschadstoffe (FAGES) sowie der Vereinigung Asbestberater Schweiz (VABS) zu finden.

Was ist im Entsorgungskonzept enthalten?

Das Entsorgungskonzept dokumentiert, welche Arten, Qualitäten und Mengen von Bauabfällen zu erwarten sind. Dabei kann die SIA Norm 430: Entsorgung von Bauabfällen beigezogen werden.

Bei Bauten die vor 1990 erstellt oder umgebaut wurden, ist erfahrungsgemäss damit zu rechnen, dass gefährdende Schadstoffen wie zum Beispiel Asbest, polychlorierte Biphenyle (PCB), polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) oder Blei vorhanden sind. In diesem Fall ist eine Schadstoffuntersuchung in Auftrag zu geben. Die Untersuchungsergebnisse sind im Entsorgungskonzept zu dokumentieren.

Wem nützt das Entsorgungskonzept?

Die vorgängige Abklärung der Schadstoffsituation nützt der Bauherrschaft, weil sie Kostentransparenz schafft und die Planungssicherheit erhöht. Sie dient den Unternehmern als Grundlage, die Gefahren für die Arbeitnehmenden zu beurteilen und Massnahmen zu ihrem Schutz sicherzustellen.

Das Entsorgungskonzept wirkt auch auf die nachgelagerten Prozesse wie die Aufbereitung und Verwertung der Rückbaustoffe, indem es sie von Schadstoffen entlastet. Im Kanton Zürich fallen jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen Rückbaustoffe an. Sie gilt es so weit wie möglich und sinnvoll stofflich zu verwerten. Mit den geforderten Angaben zu den Bauabfällen will der Gesetzgeber die Kreislaufwirtschaft bei Baumaterialien stärken. Durch die frühzeitige Ermittlung und Entsorgung von Schadstoffen können einwandfreie wiederverwertbare Rückbaustoffe produziert werden.