Abfallarten von A bis Z

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Kunststoffe (Plastik) gemischt

Sammeln oder nicht sammeln?

Kunststoffe zu rezyklieren (= stofflich verwerten) ist vor allem dann aufwändig und teuer, wenn sie umfassend sortiert und gereinigt werden müssen. Das kann der Fall sein, wenn alle Kunststoffe aus Haushalten gemischt gesammelt werden, so wie das in einigen Nachbarländern und auch in der Schweiz in gewissen Gemeinden und Regionen praktiziert wird, z.B. mit Sammelsack-Angeboten. Die Qualität des Sammelguts und der betriebene Aufwand beim Sortieren bestimmen dann mitunter, welcher Prozentsatz einer gesammelten Menge an Kunststoffen effektiv regranuliert und wieder für die Produktion von neuen Kunststoffen eingesetzt respektive in die Kunststoffindustrie zurückgeführt werden kann. Dazu gibt es für die verschiedenen in der Schweiz operativen Sammelbemühungen momentan noch keine verlässlichen und gesicherten Zahlen und auch keine ausreichende Transparenz hinsichtlich der Stoffströme. Je nach Quellen und Schätzungen können aus solchen selektiv gemischten oder gemischten Kunststoffsammlungen zwischen 30 bis 70% vom gesammelten Material wirklich stofflich rezykliert werden. Der Rest wird thermisch verwertet.  

Kunststoffabfälle aus Industie, Gewerbe (inkl. Produktionsabfälle) und Landwirtschaft (z.B. Silage-Folien) fallen – im Gegensatz zu Kunststoffabfällen aus Haushalten – tendenziell in grösseren Mengen an. Zudem sind die verschiedenen Fraktionen meist sortenrein und häufig sauber. Das macht es oft weniger aufwändig sie einer stofflichen Verwertung zuzuführen, im Gegensatz zu Kunststoffabfällen aus Haushalten.  

Grundlagen des Bundesamts für Umwelt (BAFU)

In der Schweiz existieren verschiedene lokale und regionale Bemühungen Kunststoffe aus Haushalten gemischt zu sammeln. Die Kosten für solche Sammlung (inkl. Transport und Sortierung) werden in der Regel über verschiedene Sacksysteme bzw. Sackgebühren finanziert und sind besonders bei kleinen Mengen hoch.

Im Fühling 2010 wurde vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) ein «Runder Tisch Kunststoffrecycling Schweiz» ins Leben gerufen, um der Forderung nach mehr Kunststoffrecycling in der Schweiz nachzugehen und dabei mit Hilfe von Studien Optionen und Potentiale zu erörtern und zu prüfen. Dieser Runde Tisch ist aus Interessenvertretern von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden, des Detailhandels, des VBSA, der Zementwerke, der Rezyklisten und der Kunststoffbranche zusammengesetzt. 

Auf der BAFU-Webseite hat der Bund Mitte 2016 seine neuen Erkenntnisse, Ansichten und Anforderungen ans Kunststoffrecycling in der Schweiz veröffentlicht. Dort finden sich unter anderem auch alle Studien-Module (1 bis 4) des «Runden Tisches Kunststoffrecycling Schweiz», die man als PDF herunterladen kann.  

Das AWEL wird über Entwicklungen in der Kunststoffsammlung aus Haushalten weiterhin laufend informieren und zu gegebener Zeit konkretre Empfehlungen abgeben können.

Sammlung von Plastikflaschen durch den Handel?

Das Abfall-Piktogramm für Plastikflaschen ist zu sehen
Piktogramm für Plastikflaschen

Neben sortenreinen Kunststoffen aus Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft wurden bisher PET-Getränkeflaschen und auf freiwilliger Basis weisse PE-Milchflaschen aus Haushaltungen gesammelt.

Migros und weitere Detailhändler (z.B. Coop und Aldi) gingen ab 2014 einen Schritt weiter und sammeln inzwischen in ihren Filiale flächendeckend leere Plastikflaschen aus dem Lebensmittel-, Kosmetik- und Haushaltsbereich.

Das AWEL begrüsst diese Initiative aus der Wirtschaft, welche zuerst durch die Migros angestossen wurde, und die damit verbundene Einführung einer zielgerichteten, für den Konsumenten kostenlosen, selektiv gemischten Kunststoffsammlung, bei der die ökologisch sinnvolle stoffliche Verwertung des Materials im Vordergrund steht und gesichert scheint.

Biokunststoffe (Bio-Plastik)

Wie ökologisch sind Bio-Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen?

Bio-Kunststoffe drängen sich vermehrt und in verschiedensten Arten und Formen auf den Markt. So z.B. als Joghurtbecher aus nachwachsenden Rohstoffen, beigemischt in «Plantbottles» als Getränkebehältnisse oder sogar schon als «green made» Abfallcontainer (siehe auch Mehr zum Thema, unten).

Wer diese Produkte kauft, hilft der Umwelt, so die Werbebotschaft der Anbieter. Eine Sorte Bio-Kunststoff von vielen, die momentan besonders im Fokus steht ist PLA (Polyactid bzw. Polymilchsäure); ein biologisch abbaubarer Polyester, der auf der Basis von Maisstärke hergestellt wird (siehe auch Mehr zum Thema, unten).

Ökobilanzen sind ernüchternd

Ökobilanzen und Studien zu Bio-Kunststoffen zeigen nun aber eher ernüchternde Resultate zur Umweltperformance dieser Werkstoffe, ganz entgegen den Versprechungen in Werbungen und auf Verpackungen. Konventionelle Plastikbecher auf Erdölbasis zum Beispiel schneiden bezüglich der totalen Umweltbelastung – also gesamtökologisch gesehen – immer noch gleich gut oder sogar besser ab als Becher aus PLA. Das bestätigen unter anderem auch jüngste Studien und Berechnungen des Ifeu in Heidelberg oder der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA). Der Anbau von Nahrungspflanzen und die Verarbeitungsprozesse bis hin zum Bio-Kunststoff sind ressourcen-intensiv. Es braucht viel Wasser, Dünger, Pestizide und Treibstoffe (z.B. Diesel).

Vertiefte, kritische Auseinandersetzung mit Bio-Plastik lohnt sich!

Überdies werden in den Anbauländern häufig gentechnisch veränderte Pflanzen verwendet und Bioplastik sorgt vor allem auch in Rezyklierprozessen anderer Kunstoffsorten, wie z.B. PET, für gravierende Probleme und bringt beim Kompostieren und Vergären keinen Mehrwert oder baut sich nur unvollständig ab.

Zudem steht die Vorsilbe «Bio» für zwei Eigenschaften: für «biobasiert» und/oder für «biologisch abbaubar». Biobasiert sind Erzeugnisse, die teilweise oder ganz aus nachwachsenden Rohstoffen stammen, aber nicht zwingend biologisch abbaubar sind.

Die Liste der «Fallstricke» im Zusammenhang mit Bio-Kunstoffen ist also lang und wer es ernst meint mit der Ressourcenschonung, ethischen Aspekten (Konkurrenz zu Nahrungsmittel) und der Umwelt, kommt um eine kritische und vertiefte Auseinandersetzung mit diesen Produkten nicht herum.

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